NACH
Gerichtsgebäude Amsterdam

Ein fabelhaftes und beeindruckendes Projekt mit gut 3.000 m2 akustischen Wänden über 25 Sitzungssäle verteilt.

Wie ist Alphenberg auf akustische Lösungen gekommen?

Dass Leder dämpfend und brandverzögernd wirkt, weiß Alphenberg nach mehr als 10 Jahren Erfahrung mit Leder-Applikationen als Innenausstattung nur allzu gut. Aber die Entwicklung und Herstellung akustischer Wände, die den geforderten Werten entsprechen, ist eine andere Sache. Wohl eine, bei der Alphenberg Möglichkeiten erkannte. Und so entstand ein Produkt, von dem sich innerhalb eines Jahres schon behaupten lässt, dass unsere Erwartungen weithin übertroffen wurden. Dass solch ein Prozess zur Entwicklung eines hochwertigen Produkts nicht immer über Rosen geht, klingt wohl logisch. Komplexe Materie motiviert zum Weitersuchen. Auch die visuelle Schönheit bleibt eine besondere Herausforderung.

NACH (New Amsterdam Court House), Gerichtsgebäude Amsterdam.

Im Juni 2019 wurden wir gebeten, ein Problem zu lösen, das während der Entwicklung des Baus von NACH, dem Gerichtsgebäude am Parnassusweg in Amsterdam, entstanden war. Die Firma Borrenbergs aus Eersel, die in dem neuen Gerichtsgebäude für die Instandhaltung und Lieferung von Fensterdekorationen verantwortlich ist, erkundigte sich, ob wir ein großes Projekt übernehmen könnten. Es gab nämlich Probleme mit der geplanten Verkleidung der Wände in allen Sitzungssälen. Angesichts einer Technik, die nicht dem geforderten Brandschutz entsprach, hatten diese Wände die erforderlichen Tests nicht bestanden und wurden daher für untauglich erklärt.

(Hinweis: So kann beispielsweise ein Paneel, mit brandverzögernden Materialien bekleidet, hohe Werte in einem Test [als Brandschutzklasse A bezeichnet] erzielen. Aber natürlich geht es auch um die Verbindung zwischen den Paneelen. Sehr essenziell in diesem Fall, weil es hier um enorme Oberflächen ging. So kann es also sein, dass 3 miteinander kombinierte Produkte der Brandschutzklasse A gemeinsam nicht mehr als Klasse D oder sogar E erzielen.)

Die folgende Frage lautete, ob wir für dieses Problem wohl eine Lösung finden könnten.

Mit der Entwicklung von Akustik-Paneelen hatten wir uns schon beschäftigt, aber ehrlich gesagt können wir zugeben, dass die Erkenntnisse für dieses Projekt noch nicht ausreichten. Die insgesamte Ausstrahlung von dem Bau des sehr komplexen Gebäudes in Amsterdam, das vielen, extrem vielen verschiedenen Anforderungen entsprechen musste, bot glücklicherweise Platz, die Entwicklung der Akustik-Paneele mit der Realisierung zu kombinieren. In dem Gerichtsgebäude begegnen sich drei Welten, die zugleich streng voneinander getrennt bleiben müssen: die richterliche Gewalt, die Inhaftierten und die Besucher. Rijksvastgoedbedrijf (staatliche Immobiliengesellschaft) wünschte sich ein transparentes Gebäude, ohne dabei die Sicherheit der Mitarbeiter und Besucher zu riskieren. Eine gute Akustik im Gerichtssaal gehört sicher mit zu diesen wichtigen Bestandteilen.

Die Ausgangspunkte leuchteten uns ein.

Konnten wir die geforderte Qualität der Brandschutzklasse, aber auch der Akustik liefern?
Dies besprachen wir mit dem Auftraggeber Kaan Architekten aus Rotterdam. Kaan ist Bestandteil des Konsortiums NACH und eine weltweit operierende Firma, die sich auf groß angelegte Projekte mit Nachdruck auf Funktionalität spezialisiert hat, übrigens ein perfekter Ausgangspunkt für NACH: „Alles soll die Funktion unterstützen.“
Wir schlugen eine Anzahl von Optionen vor, unter anderem unser selbst entworfenes perforiertes Leder. Aber auch einen Rahmen mit darauf geraden, mit Leder eingefassten Formen, die an einen Radiator erinnerten. Bei der Feinabstimmung dieser letzten Variante entstand die Idee, die Leisten halbrund zu machen, als handele es sich um halbierte Besenstile.

Die Bezeichnung BROOM (Besen) spielt natürlich darauf an, aber sobald man dieses Leder sieht, wird deutlich, warum.

BROOM ist der Name, den wir diesem Produkt logischerweise gegeben haben.

Mit Anspielung auf Besen natürlich, aber sobald man es sieht, wird einem sofort klar, warum. BROOM besteht aus einem brandverzögernden MDF-Rahmen, mit darauf einem in der richtigen Farbe gespannten Akustik-Fliesstoff, auf dem die mit Leder eingefassten halbrunden Leisten befestigt werden. Gebeten wurde nämlich, Leder Ton in Ton auf dem Hintergrund zu montieren, um so eine noch schönere und ruhigere Ausstrahlung zu erhalten. Die Unterlage wurde darüber hinaus mit einer Steinwollschicht versehen, die den Schall noch besser absorbiert und auch stark brandverzögernd wirkt.

Es folgten Tests.

Und wir können sagen: Das Ergebnis übertraf die Erwartungen. Anstelle Alpha 0,45 erzielten wir, im Gegensatz zu den Erwartungen des akustischen Ratgebers von Peutz, ein Resultat von 0,70. In der Testphase entwickelten wir – für eine weitere Optimierung – auch ein flexibles System, um so den perfekten Abstand der Lederstreifen voneinander zu messen. Der Brandtest ergab letztendlich Brandschutzklasse C, was für ein Hotelzimmer zwar unzureichend ist, aber für die Anwendung im Gerichtsgebäude erfüllte es die erforderliche Norm.

Qualität hat einen Preis.

Die nächste Phase beinhaltete die Platzierung der BROOM-Paneele im Proberaum. Dies stellte sich als etwas komplexer heraus als vorausgesehen, denn von den erwarteten Standardmaßen schien wenig einsetzbar zu sein. Elemente wie Türen, Betriebsautomatisierung und die vielen kleinen Türspione sorgten dafür, dass „Standard“ immer mehr mit „Maßwerk“ ersetzt werden musste. Die Herstellung des Produkts schien doch enorm komplex und dadurch zeitraubend zu sein.

Nico Wevers, Konstruktionsleiter des Projekts, berichtet in eigenen Worten über die Situation, mit der verschiedene mitarbeitende Parteien konfrontiert wurden:

„Die Zielsetzung, womit uns dieses Projekt als Team herausforderte, war wirklich turmhoch. Zum Erzielen hoher Qualität hat uns dies angespornt, wobei wir allerdings auch ein sehr verzwicktes Puzzle lösen mussten. Interessant ist dieses buchstäbliche Paradox in dem Projekt: Enorm viel komplexe Technik wird benötigt, um das Ganze unkompliziert zu halten.“

Der Proberaum war zwar nicht insgesamt rechtzeitig fertig, dennoch hatten wir genug Vertrauen und Resultat aufgebaut, um Messungen vorzunehmen. Auf dieser Grundlage erteilte der Auftraggeber Rijksvastgoedbedrijf (staatliche Immobiliengesellschaft) seine Zustimmung. In Absprache mit Heijmans, Bauführer, wurde danach beschlossen, weiterzumachen. In solch einer Situation wird ein Projekt von Zeit und Geld beherrscht. Hat man dann überhaupt noch die Wahl, weiterzumachen? Schafft man noch, wovon ursprünglich ausgegangen wurde oder was man sich erhofft hatte? Ja, dies ist ein unsicherer und ausgesprochen spannender Moment.

Corona-Krise durchkreuzte die Planung.

Die Farben wurden abgestimmt, das Material eingekauft und dann erschien der unangekündigte Besuch mit dem Beinamen Corona … Material aus Frankreich konnte nicht geliefert werden, Maßarbeit aus Warschau durfte nicht über die Grenze … Investitionen im Wartestand … ein Drama, nicht nur für uns, sondern das ganze Projekt. Zum Glück hatten alle mitarbeitenden Parteien Verständnis, aber es herrschte durchaus Spannung. Wohl eine gesunde und herausfordernde Spannung.

Farbe und natürliche Materialien.

Wenn man solch eine enorme Oberfläche bekleiden darf, entstehen im Gegensatz zu kleineren Projekten wieder neue Herausforderungen. Die Farbe zum Beispiel. Leder ist ein Naturprodukt und keine Haut gleicht der anderen.

Die Lederfarben stehen immer unter Einfluss von u. a. Umgebungstemperatur, Feuchtigkeit und Licht. Das sind schlichtweg Faktoren, die sich bei einer großen Anzahl Häute weniger gut kontrollieren lassen. Die richtige Farbe mit den richtigen Abmessungen pro Raum miteinander vergleichen zu lassen, war deshalb eine logistische Herausforderung für sich.

Und dann ist es so weit.

Das fertiggestellte Projekt wird definitiv genehmigt. Und mit angemessenem Stolz können wir sagen: mit den Komplimenten von Heijmans.

Was uns dieses Projekt gebracht hat?

Anfangs vor allem viel Stress. Ein Produkt mit solch hohen Erwartungen entwickeln, ist einfach außerordentlich spannend.
Aber letztendlich haben wir etwas schaffen können, das den Begriff Akustik mit einem völlig neuen Produktionsbereich erweitert. Einsetzbar sowohl für Wände als auch für Zimmerdecken. Und dass eine akustische Lösung sowohl funktionell als auch eine Augenweide sein kann, ist Alphenbergs Qualität.

Die Tatsache, dass wir uns erst in einem späteren Stadium bei der Ausführung anschlossen, war eine zusätzliche Hürde.

Aber die Begeisterung, mit der wir anfingen und die wir auch beibehalten haben, ist das Geheimnis des Erfolgs. Zudem hat dies dafür gesorgt, dass wir ein bisschen über uns selbst hinausgewachsen sind. Wir bekamen Verantwortung und Entscheidungsgewalt und dann sieht man, was sich als Team so alles lösen lässt.

Konsortium NACH (New Amsterdam Court House) war für die Planung, den Bau, die Finanzierung, die Wartung und den Betrieb des neuen Gerichtsgebäudes am Parnassusweg in Amsterdam verantwortlich. NACH ist eine Zusammenarbeit zwischen Macquarie Capital, ABT, DVP, KAAN Architecten, Heijmans und Facilicom.

Zurück zum Seitenanfang
Warenmuster bestellen
KONTAKTIEREN SIE UNS